Zusatzangebot der KAGes: Patientenaufklärung daheim am Handy
Die KAGes führt vor gewissen Eingriffen eine zusätzliche Form der Patientenaufklärung ein: daheim, in Ruhe auf dem Smartphone, Tablet oder PC. Diese digitale Patientenaufklärung ergänzt auf Wunsch das weiterhin stattfindende persönliche Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin. Das Pilotprojekt in Deutschlandsberg läuft erfolgreich, nun wird das Zusatzangebot schrittweise steiermarkweit ausgerollt.
Die Geburt eines Babys ist wohl eines der schönsten Ereignisse im Leben. Für den Körper bedeutet sie aber auch Stress und von einem Moment auf den anderen kann medizinische Hilfe unerlässlich sein – zur Schmerzlinderung oder weil das Baby rasch per Kaiserschnitt geholt werden muss. Für beide Fälle befinden sich in Spitälern Narkoseärztinnen und -ärzte in Bereitschaft, um eine Epiduralanästhesie, landläufig oft „Kreuzstich“ genannt, zu setzen oder eine andere Form von Narkose anzuwenden. Daher absolvieren werdende Mütter einige Wochen vor dem errechneten Geburtstermin ein narkoseärztliches Aufklärungsgespräch, vor dem sie auf diversen Formularen wichtige Informationen erhalten und Angaben zu Vorerkrankungen, bisherige Narkoseerfahrungen und den Verlauf der Schwangerschaft machen.
In Ruhe ausfüllen und Fragen stellen
„Die neue digitale Patientenaufklärung verlagert das Lesen von Informationsblättern und Ausfüllen von Formularen in die heimischen Wohnzimmer, wo sich die Patientinnen ausreichend Zeit nehmen und in früheren Befunden nachlesen können. Zudem erhalten sie per Video das nötige Wissen über den Ablauf einer möglichen Schmerzlinderung oder Narkose“, erklärt Gerhard Stark, Vorstandsvorsitzender der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes).
„Die technischen Möglichkeiten der digitalen Patientenaufklärung gehen so weit, dass das medizinische Personal nicht nur die von den Patientinnen gemachten Angaben vorab erhält, sondern auch einsehen kann, welche Teile des Aufklärungsvideos angeschaut wurden. Auch individuelle Zusatzfragen können bereits von daheim aus gestellt und dann im persönlichen Aufklärungsgespräch beantwortet werden“, ergänzt Ulf Drabek, KAGes-Vorstand für Finanzen und Technik.
Pilot in Deutschlandsberg: positive Rückmeldungen
Seit November 2025 läuft die digitale Patientenaufklärung als Pilotprojekt an der geburtshilflichen Abteilung des LKH Südweststeiermark am Standort Deutschlandsberg. „Wir haben für das Pilotprojekt bewusst junge, digital erfahrene Patientinnen ausgewählt, die es mehrheitlich gewohnt sind, wichtige Angelegenheiten über ihr Smartphone zu regeln“, erläutert Barbara Wagner, Primaria der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am LKH-Standort Deutschlandsberg. Nach den ersten Wochen wurden 24 Nutzerinnen zu ihren Erfahrungen mit der zusätzlichen Serviceleistung zur Aufklärung befragt: 22 hatten die digitale Aufklärung genutzt und waren sehr zufrieden damit. Fast alle haben sich auch den Film ganz angesehen. „Seit wir die Möglichkeit der digitalen Patientenaufklärung nutzen, sind die Fragebögen viel ausführlicher und genauer ausgefüllt – dieser Qualitätssprung erhöht auch die Patientensicherheit“, betont Wagner.
Mittlerweile setzt auch die geburtshilfliche Abteilung am LKH Oststeiermark, Standort Feldbach die digitale Patientenaufklärung ein.
Die Verwendung der digitalen Patientenaufklärung bleibt freiwillig, der Link wird nur mit Einverständnis zugesandt. Wer kein Smartphone hat oder lieber die Aufklärung auf dem Papier nutzt, kann das weiterhin tun.
Endoskopie in Weiz: digitale Patientenaufklärung kurz vor dem Start
Noch im heurigen Sommer wird die digitale Patientenaufklärung auch am LKH Weiz im Verbund mit LKH-Univ. Klinikum Graz im Bereich der Magen- und Darmspiegelung (Endoskopie) eingesetzt werden. „Es handelt sich um ein zusätzliches Angebot zum weiterhin stattfindenden ärztlichen Gespräch. Das enthaltene Informationsvideo demonstriert den genauen Ablauf und bereitet somit bestmöglich auf den Eingriff vor“, erläutert Stefan Pötz, ärztlicher Standortleiter und Primar der Abteilung für Innere Medizin am LKH Weiz. Dort werden jährlich rund 2.000 Magen- und Darmspiegelungen durchgeführt; es handelt sich um eine Routine(vorsorge)untersuchung.
„Nach mobiREM und HerzMobil setzen wir mit der digitalen Patientenaufklärung einen neuerlichen Digitalisierungsschritt und zeigen, wie wir mittels innovativer Lösungen die Abläufe im Krankenhaus optimieren und damit die Patientenversorgung weiter verbessern“, betont Pötz.
Bereits im Juli ist am LKH Rottenmann-Bad Aussee, Standort Rottenmann die digitale Aufklärung für den Bereich der Endoskopie angelaufen.
Geplant ab Herbst 2026: Einsatz in der Tagesklinik Fürstenfeld
Am LKH Oststeiermark, Standort Fürstenfeld, plant Günter Mesaric, Primar der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin, künftig die Einführung einer digitalen Patientenaufklärung für tagesklinische Eingriffe. Ziel sei es, insbesondere jüngeren und gesunden Patientinnen und Patienten unnötige Wege ins Krankenhaus zu ersparen.
„Tagesklinische Eingriffe betreffen großteils jüngere, gesunde Menschen. Da diese Eingriffe mit einem geringen Risiko verbunden sind und keine komplexen Narkoseverfahren benötigen, könnte eine digitale Aufklärung ausreichend Informationen vermitteln. Das persönliche Narkoseaufklärungsgespräch fände dann direkt am Tag des Eingriffs statt“, erklärt Mesaric. Dadurch würden sich Patientinnen und Patienten eine zusätzliche Anreise nach Fürstenfeld ersparen.
Der zukünftige Einsatz im tagesklinischen Bereich ist bei folgenden chirurgischen Maßnahmen möglich, sofern die Patient*innen ansonsten gesund sind: Eingriffe bei Krampfadern, Leistenbrüchen oder Metallentfernungen nach Knochenbrüchen. Auch gynäkologische sowie handchirurgische Interventionen könnten auf diese Weise patientenfreundlicher organisiert werden.
Weitere Ausbaumöglichkeiten
Die digitale Patientenaufklärung soll in den kommenden Jahren an sämtlichen Spitalsstandorten der KAGes eingeführt werden. Sie lässt sich zudem auf weitere medizinische Eingriffe ausweiten: Innerhalb der KAGes angedacht ist der Einsatz bei sämtlichen Formen der Narkose sowie vor urologischen Standardeingriffen.
Daten und Fakten
Zusätzliches, freiwilliges Angebot:
Die Patient*innen bekommen nur mit ihrem Einverständnis den Link zu den Aufklärungs- und Fragebögen und zum Aufklärungsfilm zugesandt.
Wer kein Smartphone hat oder die digitale Aufklärung nicht nutzen möchte, bekommt weiterhin ausgedruckte Aufklärungs- und Fragebögen in der Krankenhausambulanz.
In jedem Fall findet weiterhin ein persönliches Gespräch mit dem Narkosearzt oder der Narkoseärztin statt.
Die Verarbeitung der Daten erfolgt innerhalb der IT-Struktur der KAGes, der Datenschutz ist damit gesichert.
Medizinische Vorteile der digitalen Patientenaufklärung:
Die Fragebögen sind nun ausführlicher ausgefüllt, weil auch Informationen in bisherigen Befunden nachgeschlagen werden können.
Schon von zu Hause aus können individuelle Fragen gestellt werden, die dann vor Ort beantwortet werden.
Der Aufklärungsfilm kann mehrfach angesehen werden; die Informationen bleiben besser im Gedächtnis.
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